Pilze finden, ohne den Wald abzulaufen
Steinpilze suchen, Pfifferlinge finden, eine neue Gegend erschließen: Der mühsame Teil ist nicht das Bücken, sondern die Auswahl der Stelle. Genau dort setzt Mykotop an.
Der Umweg über die Bedingungen
Ein Pilz ist der Fruchtkörper eines Geflechts, das schon lange im Boden liegt. Ob es fruchtet, entscheidet der Standort – und der lässt sich beschreiben.
Mykotop legt dafür mehrere Größen über den Wald: die vorherrschenden Baumarten, die Bodenfeuchte als Anteil der nutzbaren Feldkapazität, die Niederschlagssumme der zurückliegenden Tage, das Temperaturmittel, den Boden-pH-Wert und das Relief. Jede Größe geht mit einer eigenen Kurve in die Bewertung ein, jede Art mit eigenen Gewichten. Heraus kommt für jede Waldfläche eine Stufe von A bis F.
Eine Rolle fällt dabei aus dem Rahmen: Die Baumarten wirken als Ausschluss. Mykorrhizapilze leben in Verbindung mit einem Wirtsbaum; fehlt er, gleicht kein noch so guter Feuchtewert das aus. Alles Übrige verschiebt die Bewertung nach oben oder unten.
Das ist bewusst weniger, als manche erwarten – und dafür nachvollziehbar. Du kannst jede Quelle abschalten und sehen, wie sich das Bild ändert, oder dir mit „Nur diese zeigen“ die Rohwerte einer einzelnen Quelle auf die Karte legen. Wer wissen will, warum eine Fläche grün ist, tippt sie an und liest die Werte.
Was die Stufen bedeuten
Fünf Bewertungsstufen, jede mit einem Namen statt einer bloßen Farbe.
Top-Bedingungen
Gute Bedingungen
Grundsätzlich geeignet
Wenig geeignet
Ungeeignet
Dazu kommt F für abgestorbenen Wald. Das ist keine Bewertungsstufe, sondern ein Zustand der Fläche – in der Karte gestrichelt umrandet statt flächig gefüllt.
Was du weiterhin selbst tust
Die Jahreszeit einschätzen
Eine Fläche mit guten Bedingungen bringt im Januar trotzdem keine Pfifferlinge. Die Saisonansicht zeigt je Art, welche Monate als Hauptzeit gelten – mehr kann sie nicht.
Das Wetter der letzten Tage lesen
Niederschlag und Temperatur sind die kurzfristigen Größen. Nach einer trockenen Woche rutscht die Bewertung ab – das ist kein Fehler, sondern die Nachricht.
Vor Ort schauen
Waldwege, Lichtungen, Moos, Nadelstreu: Was sich auf zehn Metern ändert, sieht kein Raster mit hundert Metern Auflösung.
Sicher bestimmen
Mykotop bestimmt keine Pilze. Beschreibungen zu den Arten im Katalog ersetzen keine Bestimmung in der Hand.
Regeln beim Sammeln
Für Speisepilze gilt in Deutschland überwiegend: sammeln für den eigenen Bedarf ist erlaubt, gewerbliches Sammeln nicht, und besonders geschützte Arten sind tabu. Die Einzelheiten – Mengen, Schutzgebiete, Betretungsrechte – regeln die Länder und die jeweiligen Schutzgebietsverordnungen unterschiedlich. Was in einem Gebiet gilt, steht in dessen Verordnung, nicht in der App.
Im Zweifel nicht essen
Mehrere tödlich giftige Arten sehen Speisepilzen ähnlich. Wer unsicher ist, legt den Fund einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen vor; die Deutsche Gesellschaft für Mykologie führt ein bundesweites Verzeichnis mit Suche: Experten finden.
Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung nicht suchen, sondern anrufen: Notruf 112 oder das Giftinformationszentrum des Bundeslandes. Die App führt alle sieben Zentren mit Rufnummer.
Die Karte selbst ausprobieren
Such dir ein Waldstück, das du gut kennst, und prüfe, ob die Einstufung zu deinen Erfahrungen passt. Rückmeldungen dieser Art sind für die Gewichtung Gold wert.